„Signal“, Pressefoto des Jahres 2013 (Quelle: John Stanmeyer)

 

Anlässlich unseres hauseigenen Langzeitprojektes soll es heute um Fotografie gehen. Wir beschäftigen uns mit der Frage: Was macht ein gutes Bild aus?

Bevor wir allerdings über Tipps und Tricks für das Erstellen „guter“ Bilder sprechen, ist es wichtig zwischen den drei Hauptkategorien von Bildern unterscheiden zu können. Grundsätzlich lassen sie sich nach dem jeweiligen Bildgehalt in

  • Information
  • Emotion und
  • Ästhetik

einteilen. Im Folgenden werden die einzelnen Bereiche und ihr Gehalt mit Beispielen beleuchtet.

Zwischen Burger-Visagismus und Flüchtlingskrise
Mit einem dokumentarischen Ansatz machen es sich informative Bilder zur Aufgabe, eine Situation möglichst authentisch abzubilden. Eine klare Bildaussage ist in diesem Sinne essentiell. Der zugehörige Fotojournalismus füllt in unserer Landeshauptstadt einen deutschlandweit-einzigartigen Studiengang.

Produktfotos gehören zum Beispiel in den Bereich informativer Bilder. Sie dokumentieren das äußere Erscheinungsbild eines Produktes für den Kunden. Allerdings muss hier beachtet werden, dass der Begriff der authentischen Abbildung ein dehnbarer ist. Jeder, der schon einmal die Burger aus der Werbung mit denen aus der Tüte verglichen hat, wird verstehen, was hier gemeint ist. Bei einer zu starken Bearbeitung fühlt sich der Kunde allerdings getäuscht – Eine Gratwanderung also. (Fun Fact: Die Berufsgruppe der „Food-Stylisten“ kümmert sich ausschließlich um das äußere Erscheinungsbild von Lebensmitteln. Wer mehr wissen will, klickt hier.)

refugee-boat

Ein überfülltes Flüchtlingsboot (Quelle: Vereinte Nationen)

Um einiges ernster geht es bei der Kriegsfotografie zu, die uns spätestens seit dem Beginn der Unruhen im Nahen Osten täglich begleitet. Oftmals bringen sich Kriegsfotografen bei der Ausübung ihres Berufs in Lebensgefahr. Trotz alledem oder gerade deswegen ist die Arbeit von Kriegsfotografen eine wichtige. Sie fordert uns mit ihrer Bildaussage zum Handeln für eine friedlichere Welt auf, stellt Dinge an den Pranger und regt dabei zum Diskutieren und Nachdenken an. Viele können sich sicherlich noch an das schockierende Bild vom syrischen Kind erinnern, das im Zuge einer Flucht über das Mittelmeer nach Griechenland im August 2015 ertrank und an den Strand gespült wurde. Das Bild ging um die Welt und führte dem Betrachter die Gefahren vor Augen, die Flüchtlinge bei der Flucht nach Westen auf sich nehmen müssen. 

Tränen für den Mauerfall

Im Zusammenhang mit Kriegsfotografie wird deutlich, dass Bildgehalte nicht immer klar definiert sein müssen. Natürlich können Dokumentarbilder auch Emotionen beim Betrachter wecken. Unterscheiden lassen sich die Bildgehalte Information und Emotion deswegen nicht immer sofort. Während Information realitätsabbildend wirken soll, transportiert Emotion in der Regel immer auch eine Geschichte, die durch Mimik, Gestik, Haltung, einer speziellen Farbstimmung und der gezielten Lichtsetzung verstärkt wird. Meistens spielt ein persönlicher Bezug zum Foto eine übergeordnete Rolle. Der Betrachter und seine Assoziationen sind hierbei entscheidend. Während Bilder vom Mauerfall 1989 für Millennials eher dokumentarisch erscheinen, lösen diese bei ehemaligen BRD- und DDR-Bürgern mitunter starke Emotionen aus. 

Nicht einfach nur schön

(Links: Das Geheimnis der Linie von Julian Schulze, rechts: Ampellichter von Lucas Zimmermann)

Die letzte Kategorie beschreibt die Ästhetik. Ästhetische Fotos sind zuhauf künstlerisch inszeniert und besitzen eine deutliche Komposition und Blick- und Linienführung. Auch Gestaltungsmittel aller Art finden gern Verwendung. Dazu gehören auch besondere Effekte wie Bokeh (Beispiel), Blurring oder Long-Exposure-Shots, wie oben rechts zu sehen. Ästhetik garantiert im Gegensatz zu dokumentarisch-informativen Bildern einen Interpretationsfreiraum und ist allgemein deutlich freier in der Gestaltung. 

Nähkästchengeplaudere
Nachdem wir nun die drei Bildkategorien der Fotografie abgegrast haben, noch ein paar Tipps aus dem Nähkästchen für „gute“ Bilder:

  1. Führe dir die verschiedenen Kompositionsprinzipien vor Augen (Zu ermitteln, indem man sich die Frage stellt: Wie ist etwas auf dem Bild angeordnet?). Die wichtigsten Prinzipien lauten: Anordnung der Gestaltungselemente, Perspektive, Proportionen, goldener Schnitt, Symmetrie und Licht. Du wirst merken, dass sich nahezu jedes „gute“ Bild zu mindestens einem dieser Prinzipien und ihrer bedachten Ausführung zuordnen lässt. Wichtig: Denke vor dem Schießen eines Bildes über deine Komposition nach. Eine gut umgesetzte Bildidee setzt fast immer eine gute Planung voraus.
  2. Mit der Planung steht dann auch meistens das passende Equipment. Arbeitest du mit langen Belichtungszeiten, dann vergiss nicht, dein Stativ mitzubringen. Willst du Personen bei Tageslicht gut ausgeleuchtet abbilden, dann könnte dir vielleicht ein Reflektor helfen. Blind loszuziehen kann zwar auch Spaß bringen, effizient arbeiten sieht aber in jedem Fall anders aus.
  3. Das Auge liebt Darstellungskontraste. Egal, ob Groß-Klein, Scharf-Unscharf, Nah-Fern oder Farbkontraste, Gegensätze wirken interessant. Gleiches langweilig.
  4. Außergewöhnliche Bildideen punkten. Das lässt sich leicht sagen, ist aber nicht immer leicht umzusetzen. Trotzdem hier ein kleiner Tipp: Ideen müssen reifen. Bei uns in der Agentur hängen zum Beispiel Ideen für Layouts, Namen oder Logos immer erst ein paar Tage ausgedruckt an der Wand, bevor wir uns für eine Sache entscheiden. Erst wenn wir nach der „Testphase“ immer noch zufrieden mit den Entwürfen sind, geht es an die Umsetzung. Das Gleiche gilt für professionelle Fotoprojekte.
  5. Keep it simple and straightforward. Reduziere deine Bildelemente auf das Mindeste. So setzt du den Fokus auf das Wesentliche und eliminierst jegliche Ablenkung. (KISS-Prinzip)

Letztendlich bleibt, dass die Güte eines Bildes nicht nur subjektiv zu bewerten ist. Es gibt sehr wohl Regeln und Prinzipien mit deren Hilfe man „gute“ Bilder schafft. Das bedeutet aber nicht, in steifen Dogmatismus verfallen zu müssen. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Kontrolliert Regeln zu brechen setzt allerdings voraus, sie vorher zu kennen und zu beherrschen. Denn nur so kann aus „gut“ ein „besser“ werden.